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Darmstadt International

„Snapchat hab ich erstmals in Schweden benutzt“

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Warum Onlinejournalismus nur in deutschen Reaktionen kennenlernen? Raphael Warnke hat sich anders entschieden und sein Pflicht-praktikum in Stockholm verbracht. Dort lernte er, wie eine internationale Redaktion tickt, welche Medien Schweden nutzen. Und was die Hauptstadt zum Abgehen und Ausrutschen so alles zu bieten hat.

Interview: Gabriela Bravo

Du warst für ein Praxis-Semester in Schweden, warum gerade dort?

Von März bis Mai war ich in Stockholm. Ich wusste, dass in meinem Studiengang ein Auslandssemester möglich ist. Jedoch sind dann die Möglichkeiten auf die jeweiligen Partner-Hochschulen beschränkt. Im Praxissemester war das Ganze deutlich einfacher und ohne Einschränkungen.

Und welche Rolle spielte das Land selbst?

Natürlich ist mir als erstes Skandinavien in den Sinn gekommen. Das lag an verschiedenen Gründen. Zum einen habe ich im Wahlpflichtfach Scandinavian-Journalism einen sehr guten Eindruck von Skandinavien und der dortigen Medienlandschaft bekommen. Zum anderen daran kam dazu, dass ich noch nie nördlicher als auf Sylt gewesen bin. Und das Ranking in der Pressefreiheit bei Reporter ohne Grenzen hat dann sein Übriges getan. Da steht Schweden nämlich ganz vorne.

Nachdem Du den Entschluss gefasst hattest, wie bist Du vorge-gangen?

Ach, das war ganz einfach (lacht). Ich habe mich online über Praktikumsstellen in Schweden informiert. Danach habe ich dann viele Bewerbungen, bestimmt 20 Stück, per Mail verschickt. Dann war warten angesagt. Nach ein paar Tagen kamen dann selbstverständlich erstmal die ersten Absagen an.

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Auf dem täglichen Weg zur Arbeit: Viele Bäume, eine Straße… (Quelle: Raphael Warnke)

War das nicht erstmal sehr frustrierend?

Anfangs schon. Doch mit ein wenig Geduld kamen dann die ersten Einladungen zu einem Skype-Interview. Direkt beim ersten Gespräch habe ich mich so gut mit dem Chefredakteur des Online-Mediums “The Local” verstanden, sodass ich eine Zusage bekam. So hieß dann also mein Ziel: Schweden, Stockholm, Södermalm, “The Local”.

Damit war dann das Schwierigste erledigt?

Schön wär’s gewesen. Was sich im Nachhinein tatsächlich als größtes Problem erwiesen hat, war die Wohnungssuche. Ein Studentenwohnheim stand mir nicht zu, da ich nicht über die h_da sondern sozusagen auf eigene Faust in Stockholm war. So etwas wie WGs gibt es in Schweden nur sehr selten, und es existiert kein Online-Verzeichnis wie wg-gesucht. Letztlich habe ich über Airbnb eine Unterkunft gefunden, die einigermaßen bezahlbar war, eine sich liebevoll kümmernde Gastfamilie inklusive.

Und wie war die Reise?

Der Flug ging direkt von Frankfurt nach Stockholm. Insgesamt sehr günstig und unkompliziert. Der Weg hat im Endeffekt kürzer gedauert, als wenn ich meine Eltern besuchen fahre. In Schweden angekommen hab ich mir natürlich zuallererst Stockholm angeschaut, wie ein waschechter Tourist. Sowieso hat sich die meiste Zeit angefühlt, als wäre ich in einem langen Urlaub.

Also kam die Arbeit eher an zweiter Stelle?

So würde ich das nicht sagen. Für mich war die gesamte Zeit in Schweden eine Erfahrung, die mich als Persönlichkeit und in meiner Entscheidung, Journalist zu werden, sehr gestärkt hat. In meiner Freizeit habe ich mich mit einem Arbeitskollegen sehr gut angefreundet – mit ihm war ich später 14 Tage in Italien im Sommerurlaub. Er kommt selbst aus Syrien und hat in Damaskus Journalismus studiert. Allein durch diese Freundschaft habe ich auch in meiner Freizeit eine Menge darüber gelernt, wie die Medien in anderen Ländern funktionieren. Etwa, wie viele Leute in der Bahn immer noch eine Zeitung dabei haben und welche Apps man vielleicht häufiger durch Zufall auf einem Bildschirm wieder erkennt. Snapchat hab ich erstmals in Schweden benutzt, weil es dort nahezu jeder in meinem Alter hatte.

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Kalt aber genial. So geht Natur in Schweden. (Quelle: Raphael Warnke)

Hast du ein persönliches Highlight aus dieser Zeit mitgenommen?

Das auf eine Sache zu beschränken ist schwierig. Zum einen war ich total überrascht, wie unterschiedlich doch die Lebensweise der Schweden ist, im Vergleich zu Deutschland. Das hat mir sehr imponiert, diese entspannte Art, mit der durch den Tag gegangen wird. Am schönsten war vielleicht einer meiner ersten Tage in Stockholm. Da war es noch kalt, etwa minus vier Grad, es lag viel Schnee. Ich bin dann zu einem großen See in der Nähe meiner Unterkunft gelaufen. Der war komplett zugefroren, und auf dem See liefen geschätzt mehrere Hundert, wenn nicht sogar an die Tausend Menschen, Schlittschuh. Die Stadt hatte eine Eislaufbahn eingerichtet mit 21 km Länge. Leider gab es keine Ausleihe für Schlittschuhe, die musste jeder selbst mitbringen. Ich bin dann mit meinen Winterschuhen aufs Eis und einfach drauf los gelaufen. Dann irgendwann Richtung Ufer und in einen Wald. Plötzlich war ich komplett alleine. Der See im Hintergrund, ein felsiger, verschneiter Wald vor mir. Ich war den gesamten Tag unterwegs, bin einfach immer der Nase nach.

Hast du denn in der Redaktion wirklich arbeiten können?

Die Redaktion hat mich super integriert. Das gesamte Team war sehr international aufgestellt. Die Kollegen kamen aus England, den USA, Rumänien und Italien. Somit wurde auch nur Englisch gesprochen. Ich hatte jeden Tag nach der Arbeit das Gefühl, gute Arbeit geleistet zu haben. Leider ohne Bezahlung, aber das war mir vorher klar.

Gab es denn auch negative Erfahrungen?

Insgesamt war die Zeit in Schweden teurer als ich vorher dachte. Eine Unterstützung wie ein Stipendium habe ich leider nicht bekommen können. Abgesehen davon kann ich mich über nichts beklagen.

Abschließend hätte ich gern gewusst, welche Tipps du interessierten Studierenden mit auf den Weg geben kannst?

Macht es einfach. Ich habe im Endeffekt den Entschluss für mich selbst gefasst und bin dann direkt drauf los gestartet. Sucht euch ein Land, von dem ihr selbst denkt, dort eine gute Zeit zu haben. Ein wenig Eigeninitiative ist wichtig, Vertrauen in die eigenen Sprachkenntnisse – und offen sein für Neues.

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Autor: kunDAbunt

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