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„Das habe ich am Anfang selbst unterschätzt“

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Thomas Pleil hat Journalistik, Politikwissenschaft und Soziologie studiert und in Public Relations promoviert. Heute ist er Professor im Studiengang Online-Kommunikation an der Hochschule Darmstadt, den er selbst auf den Weg gebracht hat. Pleil ist immer wieder Gastdozent an verschiedenen ausländischen Partnerhochschulen. Im Interview berichtet er von seinen internationalen Lehrerfahrungen und erklärt, welche Vorteile ein Auslandsstudium für Studierende hat.

Von Rebecca Knobel

Herr Pleil, Sie lehren derzeit auch in Graz und Luzern. Was machen Sie dort?

In Luzern bin ich ein Mal im Semester für drei Tage. Dort lehre ich einem berufsbegleitenden Studiengang. In Graz war ich gerae, um ein Modul „Online-Lehre“ für den Master-Studiengang Content-Strategie zu unterrichten.Wir Dozenten gehen natürlich primär zu Partnerhochschulen, um zu lehren. Meistens nutzt man aber auch die Gelegenheit, um mit den Kolleginnen und Kollegen zu überlegen, welche anderen Möglichkeiten der Zusammenarbeit es noch gibt.

Haben Sie ein Beispiel?

Ja, in Graz hat mich zuletzt ein Entwicklerteam als beratendes Mitglied zur Konzeption eines Studienganges hinzugezogen. Und wir haben auch über gemeinsame Forschungsprojekte gesprochen. Sehr viele Forschungsanträge, vor allem auf EU-Ebene, können nicht von einer Hochschule alleine gestellt werden! Es muss immer ein Forschungsnetzwerk sein, und es wird auch darauf geachtet, dass es ein internationales Team ist.

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Prof. Dr. Thomas Pleil ist Professor für Public Relations. Er unterrichtet im Studiengang Onlinekommunikation am Mediencampus. (Quelle: h_da Steven Wolf)

Sie waren aber nicht nur als Dozent im Ausland unterwegs…

Genau. Ich habe damals in Salzburg berufsbegleitend promoviert, weil ich es während des Studiums nicht ins Ausland geschafft habe. Für mich war natürlich der fachliche Austausch sehr wichtig . vor allem, weil es zu dieser Zeit nur wenige Hochschulstandorte in meiner Fachrichtung gab. Dass ich mit anderen Doktoranden zusammen sein konnte, war eine tolle Erfahrung, es gab zum Beispiel das sogenannte Privatissimum. Da haben wir in der Gruppe einmal in der Woche den Fortgang der eigenen Arbeit fachlich diskutiert. Auch methodische Fragen, aktuelle Publikationen oder Ahnliches wurden besprochen.

Wo sind die anderen Professoren des BA Onlinekommunikation überall unterwegs?

Lars Rademacher war kürzlich im schwedischen Lund. Da hat er gelehrt und dabei auch eine Hochschul-Partnerschaft für den Austausch von Dozenten und Studierenden aufgebaut. Das ist natürlich auch interessant, weil dort der ganze Unterricht auf Englisch stattfindet. Das ist für Studierende nicht so eine große Hürde ist wie beispielsweise Spanien oder Italien.

Wo schmeckt das Mensaessen am besten?

Luzern. Generell gibt es für uns  ja oft diesen ersten Gedanken, dass in der Schweiz alles furchtbar teuer ist. Aber die Qualität, die man bekommt, ist durchweg hochwertig. Und da kann man eigentlich hingehen wo man möchte.

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen den Kommunikations- und Journalismus-Studiengängen in Graz, Luzern und Darmstadt?

Alle drei Hochschulen sind sehr praxisorientiert. Luzern ist aber eine Wirtschaftshochschule. Für alle, die sich in die Richtung Management, Marketing oder Online-Kommunikation orientieren, ist Luzern sicherlich sehr attraktiv. Es gibt da einfach das ein oder andere zusätzlich, das auch etwas tiefer reingeht. Für Journalismus Studenten kommt es echt auf den Einzelfall drauf an: In Graz gibt es zum Beispiel auch die Möglichkeit, mit Interaktionsdesign etwas zu machen. Das ist interessant für Journalismus-Studierende, die ihre Stärken für technische Fragen und Daten ausbauen wollen. Doch allgemein hat man in Graz eine große Bandbreite an journalistischen Angeboten und Projekten.

Schafft man den Anschluss als Dieburger Allrounder im wirtschaftslastigen Luzern?

Ich glaube schon, dass man den Anschluss kriegt. Wichtig ist natürlich, dass man eine gute Beratung bekommt. Dazu sind ja die Leute vom International Office da. Und man muss auch überlegen, in welche Kurse man da sinnvoll reingehen sollte.

Wie wichtig ist die Auslandserfahrung für Studenten im Kommunikationssektor?

Man muss mobil sein und die Arbeitsweisen von anderen kennen. Man muss sich fragen, was man von anderen Ländern übernehmen kann, was die Journalismusausbildung bewegt oder wie die Redaktionen arbeiten. Solche Dinge sind wirklich sehr, sehr wichtig. Wir sind in einer diversen Welt und haben mit internationalen Teams zu tun. Seien es Rechercheteams in einer großen Redaktion oder andere Konstellationen in der Unternehmenskommunikation. Wenn ich mich darauf einstellen kann, wie andere Kulturen denken, dann habe ich auf jeden Fall einen Vorteil. Und das habe ich selbst am Anfang unterschätzt! Ich dachte, es gebe keinen großen Unterschiede zu unseren Nachbarländern wie Österreich und Schweiz – zumal, wenn man dieselbe Sprache spricht. Doch ich habe gemerkt, dass es sehr wohl doch kulturelle Feinheiten und Unterschiede gibt.

Was sind denn so Unterschiede, die Sie so mitbekommen haben?

Als Deutscher kommt man oft zu forsch daher. In der Schweiz zum Beispiel braucht es viel mehr Zeit, um auch auf einer zwischenmenschlichen Ebene zusammenzukommen und Vertrauen aufzubauen. Auch die Diskussionskulturen unterscheiden sich. Die Schweizer sind nämlich enorm höflich. Niemand sagt sofort, dass er eine andere Meinung vertritt. Es wird auf eine freundliche und zurückhaltende Art und Weise diskutiert, ohne dass es eskaliert. Und da muss man schon auch aufpassen, dass man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Auch ist es, zumindest innerhalb meiner Generation, sehr verbreitet, dass man direkt nach der Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen automatisch was trinken geht. Deshalb sind so zwischen vier und sechs Uhr in Luzern alle Lokale gesteckt voll.

Haben Sie einen Tipp für alle Outgoings?

Meidet möglichst die anderen Expats. Sonst gibt es die Gefahr, dass man sich seine  eigene Filterblase schafft. Klar: es ist es hilfreich und auch sehr spannend, mit vielen anderen Internationalen zusammen zu sein. Man kriegt dadurch aber nicht den Anschluss an die Studierenden des Gastlandes. Und kann sich auch nicht darauf einlassen, dass es in jedem Land eine andere Unterrichtskultur gibt, das ist auch wichtig.

 

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Autor: kunDAbunt

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